Zur Therapie der Hyperprolaktinämie

Die medikamentöse Therapie einer Hyperprolaktinämie, deren Höhe noch kein Makroprolaktinom annehmen lässt, sollte an folgende Voraussetzungen geknüpft sein:

  1. Absetzung von Medikamenten, die eine Prolaktinsekretion fördern [Hinweise]
     
  2. Ausschluss einer Hyperthyreose, bei der durch das erhöhte TRH die Prolaktinsekretion stimuliert wird
    - Bestimmung von TSH, fT3, fT4
    - Bei latenten Formen Durchführung des TRH-Stimulationstestes
     
  3. Ausschluss raumfordernder Prozesse im Bereich der Sella und suprasellär
    - Radiologie
    - Ophthalmologie
     
  4. Zur Bestätigung fraglicher Prolaktinwerte
    • Kontrolluntersuchung
      (Aufgrund starker Tagesschwankungen dreimalige Blutentnahme über einen Tag verteilt oder an drei aufeinanderfolgenden Tagen empfohlen.)
    • Prolaktinstimulationstest (Metoclopramid oder TRH) durchführen [Hinweise]


Therapieempfehlung:
 
Initialdosis: 2.5 mg Bromocriptin oder
0.2 mg Lisurid 1x täglich

Postprandiale Einnahme dringend empfohlen.

Falls erforderlich Dosissteigerung bis zur Normalisierung.

Ein zu starkes Absinken sollte vermieden werden, da es dadurch zur Verschlechterung der Ovarfunktion kommen kann.

Die Dauer der Therapie wird von der Besserung der klinischen und paraklinischen Befunde abhängig sein. Bei vielen Patientinnen mit einer Amenorrhoe kann die Regelblutung innerhalb von 4 Wochen auftreten. Gelegentlich muss erheblich länger therapiert werden. Langzeitbehandlungen bei Mikroprolaktinomen werden zur Vermeidung von Rezidiven unter Umständen über Jahre durchgeführt.

Alle 2-3 Jahre Auslassversuche

Nebenwirkungen können sein:
- Hypotension
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- trockene Nasenschleimhaut
- psychotische Veränderungen
- kälteempfindliche digitale Vasospasmen



Absetzung von Medikamenten, die eine Prolaktinstimulation fördern
Psychopharmaka Phenothiazine, Thioxanthene
 
Antidepressiva und Neuroleptika Butyrophenone (Haloperidol, Pimozid), Amitriptylin, Imipramin, Benzamide (Sulpirid)
 
Antiemetia Benzamide (Metoclopramid, Domperidon), Phenothiazine
 
Antihypertensiva Reserpin, alpha-Methyl-Dopa
 
Hormone Östrogene (hohe Dosierung), TRH
 
Antihistaminika Cimetidin, Meclizine, Tripelenamine
 


Prolaktin-Stimualationsteste
Metoclopramid-Test (MTCL-Test), Paspertin-Test
Indikationen: Bei unklaren, diagnostisch nicht relevanten basalen Prolaktinwerten
Bei Verdacht auf Prolaktinom, Hypophysentumor
Bei primärer bzw. sekundärer Amenorrhoe, Galaktorrhoe
 
Messparameter: Prolaktin im Serum
 
Durchführung:  In den Morgenstunden Blutentnahme zur Bestimmung des Prolaktin-Basalwertes:
Prolaktin I Gabe von 10 mg Metoclopramid (Paspertin) i.v.
Nach 25 Minuten Blutentnahme zur Bestimmung des stimulierten Prolaktinwertes
 
Prolaktin-Stimulationstest mit TRH
Wie MTCL-Test, nur i.v. Injektion von 200 mg TRH
 
Vorteil: Es kann parallel die Schilddrüsenfunktion durch die Bestimmung des basalen und stimulierten TSH (neben Prolaktin) beurteilt werden. Hypothyreosen führen aufgrund des kompensatorischen Anstiegs des TSH zu einer Stimulation des Prolaktins, das wiederum die Gonadotropinsekretion hemmt und damit Sexualhormonsynthese einschränkt.
 
Beurteilung
Gesund: Anstieg des normalen Basalwertes auf das 4-5-fache
 
Funktionelle Hyperprolaktinämie: Leicht erhöhter Basalwert und überschießender Anstieg nach Stimulation
 
Prolaktinom: Hoher Basalwert und nur geringer oder fehlender Anstieg nach Stimulation
 

Laborinformation 16

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