Mikrobiologische Untersuchung im Urin
| Mittelstrahlurin: |
| |
a) |
Frauen Erst zwei aufeinanderfolgende Mittelstrahlurinproben mit mehr als 105 KBE/ml von Keimen der selben Spezies zeigen mit 95%iger Wahrscheinlichkeit eine HWI an. Bei 3 hintereinanderfolgenden Proben mit demselben Ergebnis steigt die Wahrscheinlichkeit auf 100% an. Eine einzige Urinprobe mit mehr als 105 Bakterien /ml Mittelstrahlurin gibt lediglich eine 80%ige Sicherheit. Bei jungen Frauen und Mädchen ist schon eine Keimzahl von 105 /ml Mittelstrahlurin in Monokultur vor allem bei klinischen Symptomen stark hinweisend auf eine Infektion. |
| |
b) |
Männer Eine einzige, sauber gewonnene Urinprobe mit mehr als 105 KBE/ml zeigt eine sichere Infektion an. |
| Blasenpunktionsurin: |
| |
Jede Keimzahl gilt als pathologisch. |
| Katheterurin: |
| |
Wenn möglich aus frisch gelegtem Katheter. Keimzahlen über 105 KBE/ml zeigen meist eine Infektion an. Keine Blasenkatheterspritzen einsenden ! Diagnostische Katheterisierung hinterlässt in 1-2 % bakterielle Harnweginfektionen. |
| Uringewinnung (Mittelstrahlurin): |
| |
Wichtig: möglichst Morgenurin.
Bei Patienten mit erhöhter Diurese können niedrigere Keimzahlen eine Infektion anzeigen. |
| Instruktionen für Patienten: |
- Urin nicht von zu Hause in einer Flasche mitbringen, sondern in der Praxis Urin lassen damit sofortige Kühlung bis zum gekühltem Transport ins bakteriologische Labor möglich ist.
- Keine Desinfektionsmaßnahmen (es besteht die Gefahr eines falsch-negativen Befundes), nur Reinungsmaßnahmen.
- Ablassen der ersten Harnportion in die Toilette und Auffangen des nachfolgenden Urins (Mittelstrahl) in ein steriles Gefäß.
|
| Wichtig ! |
| |
Urin muss unmittelbar nach Abnahme in das bakteriologische Labor gebracht werden;
Ist dies nicht möglich, muss der Urin kühl (4-8°C) gelagert werden. Keimzahlen im Urin bleiben max. 4 Std. bei Kühlung konstant. Bei längerer Lager- / Transportzeit BAK-Urinröhrchen mit Stabilisator (grüne Kappe) bzw. Eintauchnährböden bevorzugen. |
| Bei Verwendung von Eintauchnährböden bitte beachten ! |
- alle Nährbodenflächen müssen vollständig mit Urin benetzt sein !!!
- Keine Urinrückstände im Gefäß !!!
- Verfallsdatum der Nährböden beachten !!!
- Es kann keine Mikroskopie des Nativurins durchgeführt werden (Beurteilung der Zellen)!
- Bei positiven Tauchkulturen mit hoher Keimzahl verzögert sich die Befunderstellung um mindestens einen Tag wegen der technisch aufwändigeren Beurteilung von Mischkulturen!
- Die Verwendung von Eintauchnährböden enthebt nicht von sorgfältiger Unterweisung der Patienten über Sinn und Durchführung der Mittelstrahluringewinnung .
|
Hinweis
Bei klinischer Symptomatik und Leukozyturie, aber mit wiederholtem negativen Kulturbefund, sollte an Tbc, Anaerobier-, Chlamydien- oder Ureaplasmen-Infektion gedacht werden.
Diese Erreger sind von Eintauchnährböden ebenso wenig isolierbar, wie empfindliche Erreger (z.B. Haemophilus, Gonokokken ) und Parasiten wie z.B. Trichomonaden. Ein positiver Baktieriennachweis im Sediment kann auch durch avitale Keime oder Keime der Normalflora (vordere Harnröhre/Scheidenflora) bedingt sein ! Bei positivem Hemmstofftest und negativer Kultur sollte die Untersuchung nach Absetzen der Antibiose ggf. wiederholt werden.
- Für Untersuchungen auf Tuberkulose wird Morgenurin ( > 20 ml ) benötigt.
- Zum Nachweis von Chlamydien / urogenitalen Mycoplasmen bitte Spezialabstrichbesteck anfordern.
Gegebenenfalls telefonische Rücksprache mit dem Labor, Abteilung Mikrobiologie erbeten ! |
|