Drogen und Medikamentennachweis im Urin
Der Konsum von Drogen und Pharmaka nahm in den letzten Jahren ständig zu. Der Nachweis dieses Abusus ist zwangsläufig ebenfalls ansteigend und verlangt eine sichere und schnelle Methodik. Anhand wesentlicher Fragen sollen Kenntnisse auf diesem Gebiet vermittelt und die labordiagnostische Praxis dargestellt werden.
| 1. Was ist eine Droge? |
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Substanzen, die zentrale und periphere Funktionen des Körpers verändern und zu psychischen und physischen Störungen führen. Drogen können sein: Rauschmittel, Arzneimittel, Gifte. Im gewissen Sinne gehören dazu auch Alkohol und Nikotin. |
| 2. Welche Drogen werden häufig konsumiert? |
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Neben den Alltagsdrogen Nikotin und Alkohol sowie den Schnüffelstoffen wie Äther, Azeton, Benzin, Benzol usw. sind das vor allem:
Amphetamine:
Synthetische Produkte wie Predulin, Captagon, Ritalin und Pervitin mit Strukturähnlichkeit zu den Katecholaminen. Sie gelten als Aufputschmittel und gehören zu den Weckaminen, die neben der zentralen Wirkung eine starke Steigerung des Stoffwechsels bedingen.
Barbiturate:
z.B. Amobarbital, Butabarbital, Pentobarbital, Veronal, Phenobarbital (Luminal), Nembutal und Secobarbital finden mit ihrer sedativen, hypnotischen, narkotischen und zum Teil auch antikonvulsiven Wirkung breite therapeutische Anwendung.
Benzodiazepine:
Psychopharmaka der Gruppe der Tranquilizer, wie Clonazepam, Diazepam, Nitrazepam und Oxazepam, werden zur Lösung von Angst- und Spannungszuständen, als Schlafmittel und Myotonolytika eingesetzt.
Cannabinoide:
Marihuana und Haschisch, die sog. Einstiegsdrogen. Extrakt aus einer Hanfpflanze (Cannabis sativa). Hohe Speicherungsrate im Fettgewebe. Wird überwiegend mit Tabak vermischt in Zigaretten (joint) oder einer Pfeife geraucht.
Cocain:
Extrakt aus den Blättern des Kokastrauches.
Opiate:
Sog. harte Drogen im Extrakt (Opium) einer Mohnpflanze (Papaver somniferum). Das sind bes.: Morphin, Heroin und Codein. Der Mißbrauch ist durch die schnelle und starke Entwicklung einer psychischen und physischen Abhängigkeit gekennzeichnet. Sie werden in Wasser gelöst injiziert oder geschnupft. Remedacen (Dihydrocodein) ist ein synthetisches Opiat, das u.a. der Wirkstoff in einigen Antitussiva ist.
Methadon:
Ein synthetisches Produkt. Es hat gleiche Wirkung wie ein Opiat, ist aber chemisch nicht zu den Opiaten zu rechnen und folglich auch nicht als Opiat nachweisbar. Es ist als „Ersatzdroge“ bekannt und wird zur Therapie Süchtiger eingesetzt. Auch Methadon entwickelt eine Abhängigkeit. Der sichere Nachweis gelingt erst nach wiederholter Einnahme.
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| 3. Was sind charakteristische Wirkungen von Drogen? |
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Rausch |
akut |
chronisch |
| Amphetamine |
1 - 2 Stunden - ängstlich - desorientiert - rastlos |
2 - 4 Tage - schlaflos - depressiv - erschöpft |
- Verfolgungswahn - Depression - Apathie |
| Barbiturate und Benzodiazepine |
3 - 24 Stunden - benommen - Reflexabnahme - desorientiert |
4 - 21 Tage - demotiviert - reduziertes Urteilsvermögen |
- Angst - Depressionen - Psychosen |
| Cannabinoide |
3 - 6 Stunden - desorientiert |
2 - 14 Tage Störung von: - Kurzzeitgedächtnis - Konzentration - Motivation - Reaktion - Weitenschätzung |
- Halluzinationen - Hirnzellschäden (Immunschwäche) |
| Cocain |
bis 1 Stunde - erregt - euphorisch |
2 - 4 Tage - schlaflos - appetitlos - erschöpft |
- Depression - Suizidgefahr - Halluzinationen (Leberschäden) |
| Opiate und Methadon |
bis 6 Stunden - benommen - schläfrig - euphorisch |
2 - 5 Tage - unruhig - ängstlich - miotisch - appetitlos |
- Depression |
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| 4. Wie ist bei der Gewinnung geeigneten Probenmaterials vorzugehen
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30 - 50 ml frischer Urin (möglichst Morgenurin) sind sicher identifiziert umgehend in das Labor einzusenden. Bei Verzögerung bis zum Transport einfrieren. Nur in Ausnahmefällen sollte Serum eingesandt werden. |
| 5. Können konsumierte Drogen ineinander umgewandelt werden?
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Das Screening erfasst immer die jeweilige Drogengruppe. Ein positiver Opiatnachweis im Urin z.B. sagt nichts darüber aus, welches Opiat aufgenommen wurde. Selbst der spezifische Nachweis einer einzelnen Droge bzw. ihres Mataboliten im Bestätigungstest kann nicht immer auf die konsumierte Droge rückschließen lassen, da Drogen auch ineinander umgewandelt werden können. Das trifft besonders für Opiate zu. Z.B. ist nach Codeinabusus Morphin im Urin nachweisbar und das sogar länger als das Codein selbst. |
| 6. Welche Methoden des Drogennachweises sind praxisrelevant?
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Die Nachweismethoden sind in 2 Gruppen einzuteilen:
1. Screening oder Suchtest:
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Enzymimmunoassay zum qualitativen Nachweis mehrerer Drogengruppen. Am häufigsten findet der EMIT-Drogennachweis Anwendung. Als Laboranfoderung ist anzufordern:
"Drogenscreening". Er umfasst den Nachweis von:
| Gruppe |
Tage Nachweiszeit |
| Amphetamine |
1 - 3 |
| Barbiturate |
1 - 20 (barbituratabhängig) |
| Benzodiazepine |
1 - 4 |
| Cannabinoide |
3 - 4 (Raucher bis 7) |
| Cocain |
1 - 3 |
| Opiate |
1 - 4 |
Bei gezielter Anforderung werden die aufgeführten Drogengruppen und zusätzlich Methadon, Methaqualon, Phencyclidin und Propoxyphen auch einzeln bestimmt. (Methadonnachweiszeit bis zu 5 Tagen). Das Ergebnis wird als qualitativ positiv oder negativ angegeben. |
2. Bestätigungstest:
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Quantitativer Nachweis mit Methoden der Gaschromatographie oder Massenspektrometrie. Das Ergebnis wird quantitativ als Konzentration angegeben. Vor allem aber ist es mit diesen Methoden möglich, innerhalb einer Drogengruppe einzelne Substanzen bzw. Metabolite spezifisch zu erfassen. Es sind detaillierte Aussagen über die konsumierte Substanz möglich. Häufig verlangen Gerichte einen Bestätigungstest. |
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