Prolaktin ist ein Proteohormon, das hauptsächlich im Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) von spezialisierten Zellen, den sogenannten laktotropen Zellen, synthetisiert wird. Die Prolaktinfreisetzung wird vom Hypothalamus ständig (tonisch) gehemmt. Das im Hypothalamus produzierte Dopamin, das auch als Prolactin-Inhibiting-Factor bekannt ist, sorgt für die tonische Hemmung der Prolaktinfreisetzung. Fällt die Inhibition durch Dopamin weg (z. B. aufgrund des Saugreizes durch den Säugling, durch Medikamente oder durch eine Schädigung des Hypophysenstiels), so kommt es zu einer starken, teilweise pulsativen Prolaktinaus-schüttung. Im Gegensatz dazu sind TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon), Oxytoxin, Östrogene, Endorphine und das Peptid VIP (Vasoaktives Intestinales Peptid) Faktoren, die Prolaktin stimulieren [1].
Prolaktin vermittelt multifunktionelle Effekte in verschiedenen Organ- und Zellsystemen wie
[1, 6, 7]:
- In seiner Hauptfunktion reguliert das Hormon die Laktogenese. Gleichzeitig blockiert eine hohe Prolaktin-konzentration im Hypothalamus die pulsatile Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon), was zu einer Reduktion der Sexualhormone LH und FSH und einem dadurch bedingten Empfängnisschutz führt.
- Prolaktin moduliert die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse.
- Prolaktin fungiert immunologisch als proinflammatorisches Zytokin.
- Prolaktin inhibiert die Stressachse, wirkt angstlösend und fördert das Bindungsverhalten.
- Prolaktin hat eine osmoregulatorische Bedeutung und reguliert in den Nieren, im Darm und in den Schweißdrüsen den Transport von Wasser und Elektrolyten wie Natrium und Kalium.
Indikation:
Die nachfolgende Tabelle beinhaltet die wesentlichen Diagnosen mit Störungen der Prolaktinfreisetzung und häufigen Ursachen [Tabelle 1, 2-6].
Tabelle 1: Störungen der Prolaktinsynthese
| Beispiele |
Ursachen/Kategorie |
Störung |
•Schwangerschaft und Stillzeit •Starker physischer oder psychischer Stress •Schlafphasen und intensive körperliche Anstrengung |
physiologisch |
Hyperprolaktinämie
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• Prolaktinome (Mikro- oder Makroadenome der Hypophyse) • Gemischte Hypophysenadenome (z. B. Prolaktin und GH / Akromegalie) |
Tumor (Autonomie) |
• Raumforderungen (z. B. Kraniopharyngeome, Meningeome) • Schädel-Hirn-Trauma oder Entzündungen (Sarkoidose, Histiozytose) • Durchtrennung oder Kompression des Hypophysenstiels |
Hypophysenstiel-Effekt |
• Dopamin-antagonisten (z. B. Neuroleptika, Metoclopramid, Domperidon) • Antidepressiva (z. B. SSRI, trizyklische Antidepressiva) • Antihypertensiva (z. B. Verapamil, Alpha-Methyldopa) • Opioide und Östrogenpräparate |
pharmakologisch |
• Primäre Hypothyreose (TRH-Überstimulation) • Schwere Niereninsuffizienz (verminderte renale Elimination) • Leberinsuffizienz (gestörter Abbau) |
Systemische Erkrankungen |
| • Makroprolaktinämie (hochmolekulare IgG-Komplexe ohne Krankheitswert) |
physiologische Variante |
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Hypoprolaktinämie |
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