Das Parathormon (PTH) wird in den Nebenschilddrüsen gebildet und ist der zentrale Regulator der Kalziumkonzentration im Blut.
Die Kalziumkonzentration im Blut von Erwachsenen beträgt 2,20 – 2,65 mmol/l, wovon ca. 40 % an Proteine, insbesondere Albumin, gebunden und biologisch inaktiv sind.

Eine Verminderung der systemischen Kalziumkonzentration führt zu einer vermehrten Ausschüttung des PTH, welches über drei Mechanismen wirkt [1].

(i)  PTH stimuliert indirekt die Aktivität der Osteoklasten, welche das im Knochen gespeicherte Kalzium freisetzen,
     was zu einer Erhöhung der Ca-Konzentration im Blut führt.

(ii) Gleichzeitig wirkt PTH auf die Nieren, wo es die Rückresorption von Kalzium erhöht, um dessen Ausscheidung
     über den Urin zu minimieren. Zusätzlich erhöht es die Ausscheidung von Phosphat über die Niere, wodurch
     eine Verkalkung der Gefäße durch Kalziumphosphat verhindert wird.

(iii) Desweiteren induziert PTH die Synthese des aktiven Vitamins D (Calcitriol) in der Niere. Das Calcitriol
      vermittelt eine erhöhte Kalziumaufnahme aus der täglichen Nahrung durch die Darmzellen.

Nach Wiederherstellung des normalen Konzentrationsbereiches für freies Ca kommt es zur Verminderung der PTH-Synthese durch die Nebenniere über eine negative feedback Regulation [1]. 

Indikation:

Die nachfolgende Tabelle beinhaltet die wesentlichen Diagnosen mit Störungen des Parathormon-Stoffwechsels mit den dazugehörenden Laborkonstellationen und häufigen Ursachen [2-4].

Erkrankung Kalzium
(Serum)
PTH
(Serum)
Phosphat
(Serum)
Ursachen
Hyperparathyreoidismus ↓/↓↓/n.n. Postoperativ nach Schilddrüsen-OP, Autoimmunerkrankung (z.B. APS-1), Schwerer Mg-Mangel

Hereditäre Formen des Hypoparathyreoidismus

↓/↓↓/n.n. DiGeorge-Syndrom, Autosomal-dominante gain-of-funktion-CASR-GV, PTH-/GCM2-GV, GNA11-GV
Pseudohypoparathyreoidismus ↑  Hormonresistenz der Zielorgane, GNAS1-GV (maternal), Albright-Osteodystrophie
Pseudopseudohypoparathyreoidismus ↓/--> ↑/ --> ↑/ --> GNAS1-GV (paternal)
Primärer Hypoparathyreoidismus ↑/o.N. ↓/u.N. Solitäres Adenom, Sporadische Vier-Drüsen-Hyperplasie
Hereditärer primärer Hyperparathyreoidismus

↑/o.N. ↑/o.N. MEN1/2-Syndrom, HPT-Kiefertumorsyndrom, FIHP-, GCM2-GV
Familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie ↑/ --> ↓/--> Autosomal recessive Loss-of-Funktion CaSR-GV
Neonataler schwerer Hyperparathyreoidismus ↑↑ ↑↑ Autosomal recessive Loss-of-Function CaSR-GV 
Sekundärer Hyperparathyreoidismus ↓ / u.N. ↑↑ ↑renal
↓ intestinal
Chronische Niereninsuffizienz, Schwerer Vitamin-D-Mangel oder Malabsorbtion
Tertiärer Hyperparathyreoidismus ↑/ o.N. ↑↑ Spätfolge eines sHPT (oft nach jahrelanger Dialyse), Autonome Drüsen nach Nierentransplantation 
Pseudohyperparathyreoidismus Paraneoplastisches Syndrom bei Tumoren, Tumorsekretion von PTH-related protein
n.n. = nicht nachweisbar/ o.N. = hochnormal / u.N.= niedrignormal/ ↑ = erhöht / ↓ = vermindert / GV = Genvariante

Probenmaterial:

Serum

Präanalytik:

  • Bei 4°C 24h stabil. Nach 1 Woche 35% Abnahme.
  • Bei -20°C nach 1 Monat keine Abnahme.
  • Keine Veränderung durch Frieren-Tauen.
  • Nach Entnahme bis zum Versand im Kühlschrank bei 4°C aufbewahren oder das vom Blutkuchen getrennte Serum bei -20°C einfrieren

Diagnostik

Das Parathormonkonzentration wird im Serum mittels Electrochemiluminescence Immunoassay (ECLIA) durchgeführt. Zur funktionellen Einordnung veränderter PTH-Werte (siehe Tabelle) ist eine parallele Bestimmung der Kalzium- und Phosphatkonzentrationen im Serum und gegebenenfalls Urin erforderlich.  Die Referenzwerte der PTH-Konzentration steigen leicht altersabhängig [5, siehe nachfolgende Tabelle].

Altersgruppe Beispielhafter Referenzbereich (Abbott iPTH, 5)
18–45 Jahre ca. 1,6 – 8,6 pmol/l 
46–60 Jahre ca. 1,8 – 9,5 pmol/l
61–80 Jahre ca. 2,0 – 11,3 pmol/l
> 80 Jahre ca. 2,3 – 12,3 pmol/l

Verdachtsfälle einer monogen oder syndromal assoziierten hereditären PTH-assoziierten Erkrankung sollten grundsätzlich mit einer Analyse des Indexpatienten im Rahmen einer diagnostischen Fragestellung untersucht werden. Im Normalfall umfasst die molekulargenetische Analyse eine NGS-basierte Untersuchung bekannter Risikogene, entweder als Panel- oder als Exom-Untersuchung. Für diese Fragestellung sind ein separates EDTA-Blutröhrchen und eine von der zu untersuchenden Person unterschriebene Einverständniserklärung gemäß Gendiagnostikgesetz erforderlich. 


Literatur

[1] http://physiologie.cc/XI.3.htm
[2] https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/174-005
[3] https://hypopara.de/cms/wp-content/uploads/Behandlungsempfehlungen_Hypopara-August-2024.pdf
[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK441895/
[5] Kaleria et al. Journal of the Endocrine Society, 2024, 8, 1-8.



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Leistungskatalog Leistungskatalog: Parathormon